Perspektivenwechsel

Es ist interessant sich Gedanken zu einer Aufgabe zu machen, die man selbst gestellt hat. Diese Gedanken wurden mit "Haussicht" gebaute Wirklichkeit. Es ging dabei vor allem darum, ein neues Bild für die Holzbaukompetenz von Baufritz zu finden. Eigenständig, zeitgenössisch und einzigartig sollte es sein. Diese Herausforderung wurde zum Programm.
 
Im Hauptgebäude, dem "Flaggschiff", wird das Erdgeschoss sowohl optisch als auch funktional geprägt von einem Rückgrat: Ein Wandmöbel mit viel Stauraum, welches sich mittig über die gesamte Gebäudelänge erstreckt. Dieses Möbel ist Trenn- und Rückwand in einem. Rundherum sind kleine Räume angegliedert. Stehen die Schiebe-türen offen, werden die Räume zu Nischen. Das Erdgeschoss ist die Etage der Ruhe, ein Ort der Privatheit, so wie das Unterdeck eines Schiffes, einer Arche im besten Sinne. Das Obergeschoss besteht aus einem lichtdurchfluteten, großzügigen Raum mit Küche, Esszone und vorgelagerter Terrasse, ähnlich einem Bootsdeck. Als eine Art offenes Loft mit durchgehenden Fensterflächen gibt es keine Pfeiler und kaum feste Wände. Im kleineren Teil dieser Etage bildet eine monumentale, drehbare Media-Koje einen Raum im Raum. Als Sitzlandschaft mit Terrassierung wirkt sie wie eine Bühne und dient zugleich als Liege- und Ablagefläche. Entlang der Außenwände verläuft ein fenstersimshohes Bücherregal, welches ebenso als Sitzgelegenheit dient.
 
Das kleinere Nebengebäude, das "Stöckli" – wie in der Schweiz das Auszughaus genannt wird – ist als Atelier, Gästehaus oder als Altersresidenz für ein Großelternteil gedacht. Es ist in seiner Dimension reduziert und steht auf einer großen Sockel-Säule, die das Entree mit Treppe und Lift umfasst. Das "Stöckli" nimmt sich bewusst der Thematik des barrierefreien Wohnens an und ist ein Versuch, dieses wichtige Thema als Ausgangspunkt für eine besondere Gestaltung zu nutzen. Abstrakt betrachtet ist dieses Gebäude wie ein kleiner Hafenschlepper. Um den See herum entsteht ein kleiner Hafen, eine Art Dorf am Wasser.
 
Bei diesem Gebäudeensemble spielt auch das Thema "Nah und Fern" eine große Rolle. Man muss in die Details zoomen und dann wieder Abstand nehmen, um das große Ganze zu erkennen. Dieses ständige Umschalten von Detail und Distanz resultiert aus den verschiedenen Disziplinen, in denen ich arbeite. Bewegt man sich um das Ensemble, ändern sich je nach Perspektive die Relationen der Volumen zueinander – dies erzeugt Spannung und ist auch in allen anderen Bereichen ein wichtiges Gestaltungselement. Bei der Materialwahl beschränke ich mich gerne auf ein Monomaterial, denn als Designer ist es mir wichtig, für jedes Detail den adäquaten Werkstoff zu finden. Dieses Gespür für Materialien ist bei Baufritz ebenso verankert wie das Bewusstsein, dass unsere Welt komplexer und viele Ressourcen kostbarer geworden sind. Daher ist die Ökologie und Baubiologie in der Architektur relevant. Wir müssen neues Wissen, spezielle Umgangsweisen und den nötigen Respekt erlernen, um uns der Verantwortung für die Zukunft stellen zu können: vermehrt, vehement und bestimmt.