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Fundament einer Kooperation

Seit meiner Kindheit ist Architektur ein Thema in meinem täglichen Leben. Vielleicht weil mein Onkel während seines Architekturstudiums bei uns zu Hause wohnte oder weil mein Vater Direktor einer Firma war, die Küchen produzierte. Reißbrett, Reduktionsmaßstab und Zeichenstifte sind mir seitdem sehr vertraut. Die Ausbildung zum Hochbauzeichner in einem Architekturbüro legte die Basis für meine weitere Laufbahn als Designer, die darauf folgende gestalterische Berufsmittelschule und das anschließende Studium zum Produktgestalter brachten mir das Objekthafte und seine Betrachtung endgültig nahe.
 
 
In den Vorlesungen zur Architekturgeschichte an der ETH in Zürich entdeckte ich Bauwerke von Andrea Palladio, Mies van der Rohe, Buckminster-Fuller, Alvar Aalto und Finn Juhl. Besonders begeistert war ich von Le Corbusier, seiner kleinen Blockhütte "Le Cabanon" an der französischen Riviera, "Une Petite Maison" am Genfersee und dem "Pavillon Le Corbusier" für Heidi Weber am Zürichsee. Adalberto Libera beeindruckte mich mit der eigenwilligen "Villa Malaparte" auf Capri und John Lautner mit seinen futuristischen Gebäuden rund um Los Angeles. Vor allem aber war es das "Eames House" aus der Reihe der "Case Study Houses" von Ray und Charles Eames, das mich nachhaltig in seinen Bann zog.
Sicherlich weil der Entwurf von einem Designer- Ehepaar war, welches mir wegen seiner Berufsgattung nahe stand – und nicht von einem Architekten. Als ich das Haus zum ersten Mal in einer Publikation sah, dachte ich: Genau so etwas möchte ich mit fünfzig realisieren. Nicht für mich privat, sondern als ein modellhaftes Haus, das einen Beitrag leisten kann mit seiner Ästhetik und der ihm innewohnenden Denkweise. Das war mein Traum.
 
Wenn ich geschäftlich unterwegs bin, betreibe ich seit Jahren eine Art persönliche Forschung: Ich kaufe Zeitschriften, je nach Land manchmal gezielt, manchmal intuitiv oder auch vollkommen zufällig. Ich folge dabei einfach meiner Neugierde für unbekannte, aber gern besuchte Gebiete: Mode, Kulinarik, Kunst, Philosophie, Mobilität. Einmal suchte ich mir ein Magazin über Frauen in der Wirtschaft aus, das war im November 2008. Das attraktive Cover zeigte Céline Cousteau, Meeresbiologin wie ihr weltberühmter Vater, im silbernen Neoprenanzug, der Titel: "Frauen verändern die Welt". Das sprach mich an.
 
In der Zeitschrift fand ich einen Artikel über Baufritz und die Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer. Er beflügelte mich genauso wie das Cover und ließ meinen Traum vom Haus wieder aufleben. Ich beschloss einen Brief an Baufritz zu schreiben und meinen Traum kundzutun. Eine Antwort blieb leider aus– das war mir noch nie passiert. Tragisch war das nicht, denn das Wesentliche ist, Träume immer wieder zu skizzieren und aufzuschreiben – und nie aufzugeben. Drei Jahre später kam ein Anruf, am Telefon war Frau Fritz-Kramer. Das kann gar nicht wahr sein, dachte ich, so lange braucht doch kein Brief! Doch ihr Traum war offensichtlich derselbe wie meiner: Zusammen ein Haus zu bauen.